Fotos © Cyril Ruoso

Heute gibt es leider keine guten Nachrichten aus Nigeria zu berichten:

Foto: Pandrillus

Die Drill Ranch in den Afi Mountains ist Ende Dezember überfallen und ausgeraubt worden.

Es wurde sofort Anzeige bei der örtlichen Polizei erstattet, und 2 Tatverdächtige, Mitarbeiter von Pandrillus, wurden festgenommen.

Einige Tage später sind noch 3 Zeugen von der Polizei vorgeladen worden.

Auf dem Weg zu einer anderen Dienststelle kam es zu einem entsetzlichen Unfall. Wie genau das passieren konnte, ist zur Zeit noch nicht geklärt. Der Fahrer war höchstwahrscheinlich stark angetrunken. Er verstarb später im Krankenhaus.

Bei diesem Unfall kam auch einer der Tatverdächtigen, Kyrian Tah, ums Leben. Alle weiteren Zeugen und 6 Polizisten liegen seitdem, zum Teil in kritischem Zustand, im Krankenhaus.

Dann wird die Situation noch etwas unklarer:

Die Jugendlichen des nahe liegenden Dorfes Buanchor gaben Pandrillus die Schuld an dem Tod des Unfallopfers. Er kam aus ihrem Ort. Es wurde aber auch sicher von vielen das alte „Feindbild“ aktiviert, in dem Pandrillus - als Stellvertreter für das Wildlife Sanctuary – die traditionelle Jagd (auf geschützte Arten) und den Holzeinschlag verhindert.

Daraufhin stürmten am nächsten Tag, dem 9. Januar, über 20 z.T. angetrunkene, junge Männer das Camp in den Afi Mountains und verwüsteten es komplett. Die Mitarbeiter Liza Gadsby und Zachary (Zack) Schwenneker wurden gefesselt und geschlagen. Beide wurden in den naheliegenden Ort Buanchor gebracht, Zack über den Boden geschleift, geschlagen und getreten (ein Foto der Verletzungen ist in dem Artikel des Guardian zu sehen, s.u.).

Beide konnten sich mit Hilfe einiger Dorfbewohner retten und zurück zum Camp flüchten.

Seitdem wird das Camp von 4 bewaffneten Polizisten rund um die Uhr bewacht.

Die Situation ist für alle Mitarbeiter vor Ort – die einheimischen Angestellten wie auch Liza, Zack und einen holländischen Volontär, der bei dem Überfall ebenso angegriffen und verletzt wurde, beunruhigend, beängstigend und erschütternd.

Foto: Pandrillus

Zack schreibt:

„Peter (Peter Jenkins, Co. - Direktor und Partner von Liza), Liza und ich sind von diesem Vorfall irreparabel beschädigt. Keiner von uns wird jemals wieder derselbe sein.Wie auch immer, wir können uns nicht den Luxus erlauben, uns um unser persönlichen Traumata zu kümmern. Die Spannung ist immer noch extrem hoch, und wir dürfen in unserer Wachsamkeit nicht nachlassen. Im Moment ist Afi nicht sicher… Wir fordern die Polizei auf, die Verantwortung für den Tod unseres Mitarbeiters Kyrian Tah zu übernehmen. Bis die Leiche beerdigt ist, kann noch vieles passieren.

Die einheimischen Mitarbeiter, die ohne zu zögern weiterhin im Camp leben, versorgen tagsüber die Tiere und leisten in der Nacht Sicherheitsdienste. Dies ist das einzige Licht in dieser dunklen Zeit. Wir sind alle so stolz auf sie und was sie in dieser schrecklichen Zeit für das Projekt geleistet haben.

Es ist gut zu wissen, dass wir nicht allein sind… Ich wünschte, ich hätte zu diesem Zeitpunkt mehr zu sagen, aber mir fehlen die Worte. Wie ich bereits sagte, weiß ich nicht einmal, wie ich mich fühle, weil ich bisher nicht die Gelegenheit hatte, auf meine eigenen Gedanken einzugehen. Tag für Tag schaffen wir es einfach. Es ist ein Wunder, dass wir nach all dem noch über 600 Tiere jeden Tag füttern und alles Stück für Stück wieder aufbauen. Auch hier gilt der gesamte Verdienst dem Personal, das zu dem Zeitpunkt, als wir es wirklich brauchten, da war. Wir sind stolz zu wissen, dass die Familie der Drill Ranch durch dick und dünn zusammenhält.“

Foto: Pandrillus

Fast täglich bekommen wir Informationen, Fotos (und sogar Finanzberichte) von Zack. Jede Mail zeigt uns, wie sehr die Menschen uns im Moment brauchen – jeder Brief an uns scheint für sie auch eine Form der Verarbeitung zu sein.

 

Sofort haben wir eine außerordentliche Vorstandssitzung abgehalten und beschlossen, an die zuständige Regierung vor Ort eine Petition zu schreiben.

Auch hat Carsten Zehrer als internationaler Zuchtbuchführer, verantwortlich für alle Drills weltweit in Menschenhand, sich ebenfalls an den zuständigen Beamten der Region in Calabar gewendet.


 

Lesen Sie unsere hier ins Deutsche übersetzten Petitionen:

Vom Vorstand:

Dear Sir, Hannover, 31. Januar 2020

Ich erlaube mir heute, Ihnen im Namen der Nicht-Regierungs-Organisation „Rettet den Drill“ zu schreiben. Wir haben unseren Sitz in Deutschland, werden aber auch seit Jahren von Mitgliedern aus dem Europäischen Raum unterstützt. Auch international ist „Rettet den Drill“ eine anerkannte Organisation. Wir setzten uns seit über 15 Jahren für den Schutz dieser stark bedrohten Affen (Drill; Mandrillus leucophaeus) in seinem natürlichen Lebensraum ein. Mit großem Entsetzen und tiefer Bestürzung haben wir von den Vorfällen am 9. Januar diesen Jahres in Afi erfahren. Die Organisation Pandrillus setzt sich seit Jahren für den Erhalt der Tiere in seinem natürlichen Lebensraum ein - mit hohem persönlichen Einsatz der Direktion, des Managements sowie den Mitarbeitern vor Ort.

Die Region Afi, der Lebensraum der Drills, ist ein einzigartiger und extrem wichtiger Hotspot der Biodiversität – einige Tier und Pflanzenarten sind nirgendwo auf der Welt zu finden – nur in Afi!

Ich selbst habe Afi vor einigen Jahren besucht, um mich von der beeindruckenden Arbeit von Pandrillus persönlich zu überzeugen. Ich habe damals die Menschen dort vor Ort als sehr freundliche, ehrliche und herzliche Menschen kennengelernt. Das Geschehene ist daher für mich um so unverständlicher und erschütternder.

Das Fortbestehen von Pandrillus bedeutet den Erhalt des Afi Mountain Wildlife Sanctuary in seiner jetzigen Funktion. Wird die Arbeit dort gefährdet oder sogar nicht mehr möglich sein, wird der Welt ein wertvoller Schatz an Tierarten unwiederbringlich für uns alle verloren gehen.

Auf der Drill Ranch leben über 600 Drills – eine der bedrohtesten Affen ganz Afrikas. Diese Tiere leben nur in sehr kleinen Gebieten Kameruns und Nigerias und finden bei den Mitarbeitern auf der Drill Ranch in den Afis Schutz und Fürsorge.

Weltweit bekannt ist der vom aussterben bedrohte Cross River Gorilla, ein Restbestand dieser Tiere lebt nur noch in den Afis im Cross River State, und ein Überleben ist nur durch starken Schutz möglich. Aber auch unbekanntere Arten wie der Nigerianische Schimpanse aber auch verschiedene kleinere Affen sind nur in Nigeria - und nirgendwo sonst auf der Welt zu finden!

Darum unterstützen wir - auch mit internationaler Hilfe - die Arbeit von Liza Gadsby als Direktorin von Pandrillus seit vielen Jahren mit sehr hohem finanziellen Aufwand.

Diese Zuwendungen kommen mit diesem Projekt der lokalen Bevölkerung zugute. Es werden davon Gehälter gezahlt, aber auch das Futter für die Tiere gekauft.

Es ist für uns von allergrößtem Interesse, dass die ganze Angelegenheit zügig aufgeklärt wird!

Die Mitarbeiter von Pandrillus haben sich die letzten 30 Jahre ihres Lebens für den Schutz eines der schönsten Orte in Nigeria eingesetzt – nun brauchen sie dringend den Schutz von Ihnen!

Wir bitten sie inständig und aus ganzem Herzen: Bitte helfen Sie es zu ermöglichen, dass diese Arbeit vor Ort ungefährdet und sicher fortgesetzt werden kann und das Leben der Mitarbeiter vor Ort geschützt wird.

 

Hochachtungsvoll

Kathrin Paulsen

 

Von Carsten Zehrer:

Dear Sir,

Ich möchte mich Ihnen kurz vorstellen: Mein Name ist Carsten Zehrer, ich bin stellvertretender Zoologischer Leiter und Kurator im Zoologischen Garten München (Münchner Tierpark Hellabrunn), Deutschland. Mit großem Entsetzen habe ich von den Vorfällen am 9. Januar auf der Drill Ranch in den Afi Mountains, Cross River State, Nigeria erfahren. In meiner Funktion als internationaler Koordinator für den Drillbestand in den Zoologischen Gärten und Tierparks der Welt bin ich für alle Drills in Menschenhand verantwortlich. Fast 100 dieser vom Aussterben bedrohten Tiere leben zur Zeit in den Zoos außerhalb Afrikas weltweit. Jedes einzelne dieser wertvollen Tiere ist ein Botschafter seiner in freier Wildbahn lebenden Artgenossen. Wir in München informieren jährlich über 2,5 Millionen (!) Besucher über unsere Artenschutzarbeit für den Drill – aber auch über die beeindruckende Arbeit von Pandrillus und den lokalen Mitarbeitern vor Ort in Nigeria. Nicht nur der Münchner TP Hellabrunn, auch alle anderen Drillhaltenden Zoos setzen sich täglich unermüdlich für diese bedrohten Primaten und die Schutzbemühungen vor Ort in Nigeria ein. Auch der Weltzooverband (WAZA, World Association of Zoos and Aquariums), ein Zusammenschluss aller Zoologischen Gärten der ganzen Welt, hat die Arbeit von Pandrillus bereits finanziell und somit auch ideell unterstützt.

Die Arbeit der einheimischen Mitarbeiter vor Ort auf der Drill Ranch ist von unschätzbarem Wert, um den Drill in seinem natürlichen Lebensraum zu erhalten. Es leben dort über 600 Tiere, das entspricht fast einem Viertel der gesamten wilden Population.

Ich bitte sie inständigst – im Namen aller Zoologischen Gärten, die den Drill den Millionen von Besuchern näher bringen und damit auf die Situation in Nigeria hinweisen: Bitte helfen Sie, dass diese wertvolle Arbeit für diese bedrohte Tierart weiter fortgeführt werden kann. Sonst geht der Welt ein großer Schatz an Biodiversität verloren

Mit freundlichen Grüßen

Carsten Zehrer
 

Zack schreibt dazu:
„Wir hoffen, dass Eure eloquent verfassten Briefe die Landesregierung ermutigt, verstärkt gegen die anhaltenden Sicherheitsbedrohungen bei Afi vorzugehen….Wir sind unglaublich dankbar, dass Ihr – wie die gesamte „Rettet den Drill“ - Gemeinschaft, uns unterstützt! Die Hoffnung schwindet, aber sie geht nicht verloren!“

Auch wenn im Moment keiner sagen kann, wie die Situation dort weitergeht – es leben 648 Drills dort auf der Drill-Ranch in den Afi Mountains, die täglich versorgt werden müssen. Und auch das Personal, welches treu und im wahrsten Sinne des Wortes in jeder Situation zu Pandrillus steht, benötigt weiterhin regelmäßiges Gehalt. Es ist so viel zerstört worden. Jeder Cent wird nun gebraucht.

 

Liza Gadsby wird zunächst zurück in die USA fliegen, Zack und Peter Jenkins halten sich auf der Drill Ranch in den Afi Mountains auf.

Am Sonntag, 09. Februar, erschien folgender Artikel im „Guardian Nigeria“:

https://guardian.ng/sunday-magazine/600-baboons-chimpanzees-under-threat-at-drill-ranch-in-cross-river/

 

Ob und wie die Arbeit vor Ort in dieser Form weiter fortgesetzt werden kann, kann im Moment keiner der Beteiligten beurteilen. Das Erlebte ist einfach noch zu frisch und jeder ist dabei, alles für sich selbst in irgendeiner Form zu verarbeiten. Endgültige Entscheidungen hängen nun vor allem auch von dem Verhalten der örtliche Regierung ab……

Inzwischen haben weitere, auch internationale, Organisationen / Institutionen Schreiben an die lokalen Behörden in Nigeria verfasst.

Wir hoffen, dass wir es so gemeinsam schaffen, den Drills in den Afi Mountains eine Zukunft zu ermöglichen.